Pflege zuhause Schweiz: Karrierechancen in der häuslichen Betreuung

Inhalt

Immer mehr Menschen möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben – auch wenn sie Pflege brauchen. Das eröffnet dir als Pflegekraft spannende Karrieremöglichkeiten jenseits von Spital und Pflegeheim. Die häusliche Pflege wächst in der Schweiz rasant und bietet attraktive Arbeitsbedingungen, die sich vom klassischen Stationsdienst deutlich unterscheiden.

In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten die Pflege zuhause bietet, was du verdienen kannst und ob dieser Bereich zu dir passt. Wenn du grundsätzlich über einen Wechsel nachdenkst, findest du hier alle Infos zum Arbeiten in der Schweiz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die häusliche Pflege umfasst Spitex, private Pflegedienste und Privatbetreuung
  • Der Bereich wächst stark und bietet sichere Jobperspektiven
  • Du arbeitest selbstständiger als im Spital und hast oft geregeltere Zeiten
  • Die Gehälter sind vergleichbar mit der stationären Pflege
  • Für viele ist die persönliche Beziehung zu Klienten besonders erfüllend

Was bedeutet Pflege zuhause?

Pflege zuhause – oder häusliche Pflege – bezeichnet alle pflegerischen und betreuerischen Leistungen, die bei Menschen in deren eigener Wohnung erbracht werden. Im Gegensatz zur stationären Pflege bleiben die Klienten in ihrer vertrauten Umgebung.

In der Schweiz gibt es verschiedene Formen der häuslichen Versorgung. Die bekannteste ist die Spitex – die spitalexterne Gesundheitsversorgung. Daneben gibt es private Pflegedienste, selbstständige Pflegefachpersonen und die Betreuung im Privathaushalt durch Live-in-Kräfte.

Der Trend geht klar zur häuslichen Versorgung. Die Politik fördert „ambulant vor stationär“, und die meisten Menschen wünschen sich, zuhause alt zu werden. Das bedeutet: Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in diesem Bereich wächst kontinuierlich.

Die Spitex: Der größte Arbeitgeber

Die Spitex ist das Rückgrat der häuslichen Pflege in der Schweiz. Diese gemeinnützigen Organisationen sind kantonal organisiert und bieten flächendeckend Pflege und Hauswirtschaft an.

Als Spitex-Mitarbeiterin besuchst du täglich mehrere Klienten in deren Zuhause. Du führst pflegerische Maßnahmen durch, verabreichst Medikamente, versorgst Wunden und unterstützt bei der Körperpflege. Die Einsätze sind zeitlich begrenzt – von 15 Minuten bis zu mehreren Stunden pro Besuch.

Die wichtigsten Merkmale der Spitex-Arbeit sind:

  • Selbstständiges Arbeiten: Du bist allein unterwegs und triffst viele Entscheidungen eigenverantwortlich
  • Abwechslung: Jeden Tag andere Klienten, andere Situationen
  • Mobilität: Du brauchst oft einen Führerschein und ein Auto oder Fahrrad
  • Geregelte Zeiten: Weniger Nachtdienste als im Spital, oft planbarere Arbeitszeiten
  • Persönliche Beziehungen: Du lernst deine Klienten über längere Zeit kennen
 

Der Spitex-Lohn ist vergleichbar mit dem in Spitälern. Je nach Kanton und Erfahrung verdienst du als Pflegefachperson 5.500 bis 7.000 CHF brutto monatlich.

Private Pflegedienste

Neben der öffentlichen Spitex gibt es zahlreiche private Pflegedienste. Diese arbeiten oft flexibler und bieten manchmal Leistungen an, die über das Standardangebot hinausgehen.

Private Anbieter sind besonders in städtischen Gebieten verbreitet. Sie betreuen oft Klienten, die mehr Service wünschen oder spezielle Bedürfnisse haben. Manche haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert – etwa Palliativpflege zuhause, Kinderkrankenpflege oder psychiatrische Pflege.

Die Arbeitsbedingungen bei privaten Anbietern variieren. Manche zahlen besser als die öffentliche Spitex, andere weniger. Die Arbeitszeiten können flexibler sein, aber auch unregelmäßiger. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und zu vergleichen.

Privatbetreuung und 24-Stunden-Pflege

Eine besondere Form der häuslichen Pflege ist die Privatbetreuung, bei der du direkt bei einer Familie angestellt bist oder über eine Vermittlung arbeitest.

Bei der 24h-Pflege lebst du im Haushalt der betreuten Person und bist rund um die Uhr verfügbar. Du arbeitest typischerweise in Rotationsmodellen – zwei bis vier Wochen Einsatz, dann gleichlange Freizeit. Diese Arbeitsform bietet besondere Vorteile:

  • Unterkunft und Verpflegung werden gestellt
  • In der Freizeit bist du komplett frei
  • Du baust eine enge Beziehung zur betreuten Person auf
  • Die Arbeit ist weniger hektisch als im Spital
 

Die Gehälter liegen bei etwa 2.800 bis 4.200 CHF pro Einsatzmonat. Da du keine Miete zahlst, bleibt effektiv oft mehr übrig als bei regulärer Anstellung. Dieses Modell passt besonders zu Menschen ohne familiäre Bindungen, die intensive Arbeitsphasen mit kompletter Freizeit abwechseln möchten.

Welche Qualifikationen brauchst du?

Die Anforderungen hängen vom Tätigkeitsbereich ab. Für pflegerische Aufgaben brauchst du eine anerkannte Pflegeausbildung.

Für verschiedene Rollen in der häuslichen Pflege gelten unterschiedliche Anforderungen:

  • Pflegefachperson HF/FH: Für alle pflegerischen Tätigkeiten, Behandlungspflege, Medikamente
  • Fachperson Gesundheit (FaGe): Für Grundpflege und delegierte Aufgaben
  • Pflegehilfe SRK: Für einfache Unterstützung bei der Grundpflege
  • Betreuungspersonen: Für Alltagsbegleitung und Hauswirtschaft, oft ohne formale Ausbildung
  • Hauswirtschaft: Für Haushalt, Einkauf, Mahlzeiten
 

Die Anerkennung deines Diploms ist Voraussetzung, wenn du aus Deutschland kommst und pflegerische Tätigkeiten ausführen willst. Bei reiner Betreuung ohne Pflege ist die Hürde niedriger.

Vorteile der häuslichen Pflege

Viele Pflegekräfte schätzen die Arbeit in der häuslichen Versorgung aus verschiedenen Gründen.

Selbstständigkeit: Du bist deine eigene Chefin während der Einsätze. Keine ständige Überwachung, keine Stationshektik. Du organisierst deine Tour selbst und triffst viele Entscheidungen eigenverantwortlich.

Persönliche Beziehungen: Du siehst dieselben Klienten über Wochen, Monate, manchmal Jahre. Du kennst ihre Geschichte, ihre Vorlieben, ihre Familie. Diese Kontinuität empfinden viele als bereichernd.

Geregeltere Arbeitszeiten: Nachtdienste sind in der ambulanten Pflege seltener. Wochenenddienste gibt es, aber oft weniger als im Spital. Die Work-Life-Balance ist für viele besser.

Vielfalt: Jeder Haushalt ist anders, jeder Klient einzigartig. Die Abwechslung ist groß – kein Tag gleicht dem anderen.

Herausforderungen der häuslichen Pflege

Natürlich gibt es auch Schattenseiten, die du kennen solltest.

Alleine arbeiten: Du hast keine Kollegen dabei, die dir helfen oder mit denen du dich austauschen kannst. In schwierigen Situationen musst du allein entscheiden. Das erfordert Selbstsicherheit und Erfahrung.

Zeitdruck: Die Einsätze sind oft eng getaktet. Du hast vielleicht 30 Minuten für einen Besuch – und das muss reichen. Nicht immer ist genug Zeit für alles, was nötig wäre.

Mobilität: Du bist viel unterwegs, bei jedem Wetter. Ein Führerschein ist oft Voraussetzung. In ländlichen Gebieten können die Fahrstrecken lang sein.

Fremde Umgebungen: Du arbeitest in Privatwohnungen, die nicht immer optimal für Pflege ausgestattet sind. Manchmal sind die Bedingungen schwierig – enge Räume, fehlende Hilfsmittel.

Karrieremöglichkeiten

Die häusliche Pflege bietet verschiedene Entwicklungswege:

  • Teamleitung/Einsatzleitung: Koordination der Touren und Einsatzplanung
  • Spezialisierung: Wundmanagement, Palliative Care, Gerontologie
  • Selbstständigkeit: Freiberufliche Pflegefachperson auf eigene Rechnung
  • Beratung: Pflegeberatung für Familien und Angehörige
  • Qualitätsmanagement: Entwicklung von Standards und Prozessen
 

Mit Weiterbildungen kannst du dich spezialisieren und dein Gehalt steigern. Spezialisten für bestimmte Bereiche sind gefragt und verdienen mehr. Die Selbstständigkeit erfordert unternehmerisches Denken, bietet aber maximale Freiheit bei der Arbeitsgestaltung.

Der Einstieg für deutsche Pflegekräfte

Du kommst aus Deutschland und interessierst dich für die häusliche Pflege in der Schweiz? Der Einstieg ist gut machbar.

Deine deutsche Pflegeausbildung wird anerkannt. Der Prozess dauert einige Wochen und läuft über das Schweizerische Rote Kreuz. Danach kannst du als Pflegefachperson in der Spitex oder bei privaten Anbietern arbeiten.

Die Sprachbarriere ist minimal. In der Deutschschweiz kommst du mit Hochdeutsch zurecht. Gerade in der häuslichen Pflege, wo du viel mit älteren Menschen sprichst, ist klares Hochdeutsch oft sogar von Vorteil.

Bei HeySwiss unterstützen wir dich beim Einstieg – auch in die häusliche Pflege. Wir kennen Arbeitgeber in verschiedenen Bereichen und helfen dir, die passende Stelle zu finden.

Fazit: Ein wachsender Bereich mit Perspektive

Die Pflege zuhause bietet attraktive Alternativen zur klassischen Spitalarbeit. Ob Spitex, privater Pflegedienst oder Privatbetreuung – die Möglichkeiten sind vielfältig. Der Bereich wächst, die Jobsicherheit ist hoch, und die Arbeitsbedingungen sind für viele angenehmer als im Schichtdienst auf Station.

Wenn du selbstständiges Arbeiten schätzt, persönliche Beziehungen zu Klienten aufbauen möchtest und geregeltere Zeiten suchst, könnte die häusliche Pflege das Richtige für dich sein. Die Schweiz bietet gute Rahmenbedingungen – und der Fachkräftemangel sorgt für beste Jobchancen.

Interesse an einer Karriere in der häuslichen Pflege? Bei HeySwiss beraten wir dich gerne. Buche ein kostenloses Kennenlerngespräch!

Picture of Tara von HeySwiss

Tara von HeySwiss

Hey, ich bin Tara! Hier findes du regelmäßig Infos zu deinem Job in der Schweiz! 🙂🇨🇭

Inhalt

Häufige Fragen zum Thema

Was verdiene ich in der Spitex?

Als Pflegefachperson etwa 5.500 bis 7.000 CHF brutto monatlich, vergleichbar mit Spitälern. Der genaue Lohn hängt von Kanton und Erfahrung ab.

Brauche ich einen Führerschein?

Meistens ja, besonders in ländlichen Gebieten. In Städten geht es manchmal auch mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ist die Arbeit weniger stressig als im Spital?

Anders stressig. Weniger Hektik, aber mehr Zeitdruck pro Einsatz und keine Kollegen zur Unterstützung. Viele empfinden es als angenehmer.

Kann ich ohne Pflegeausbildung in der häuslichen Betreuung arbeiten?

Ja, in der reinen Betreuung ohne pflegerische Aufgaben. Für Pflegetätigkeiten brauchst du eine anerkannte Ausbildung.

Wie finde ich Stellen in der häuslichen Pflege?

Über Jobbörsen, direkt bei Spitex-Organisationen, über private Anbieter oder über Vermittlungen wie HeySwiss.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren