Pflege zuhause Schweiz: Jobs bei der Spitex, Lohn und Regeln 2026

Pflege zuhause Schweiz: Spitex und Kosten

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Pflege zuhause ist in der Schweiz ein eigener, stark wachsender Arbeitsmarkt. 2024 haben Spitex-Dienste 476.413 Menschen zu Hause gepflegt oder betreut, so viele wie nie zuvor. Für dich als Pflegekraft heisst das: viele offene Stellen, mehr Eigenverantwortung und oft planbarere Dienste als im Spital. Hier erfährst du, welche Arbeitgeber es gibt, welche Ausbildung du brauchst, was du verdienst und welche Regeln für die Live-in-Betreuung gelten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflege zuhause heisst in der Schweiz meist Spitex: Organisationen mit Versorgungspflicht, private Spitex-Firmen und selbstständige Pflegefachpersonen.
  • 2024 arbeiteten 68.707 Personen in der Hilfe und Pflege zu Hause. Sie leisteten über 25,6 Millionen Pflegestunden (BFS).
  • Für Bedarfsabklärung und Behandlungspflege braucht es eine dipl. Pflegefachperson HF/FH. FaGe und Pflegehelfer:innen SRK übernehmen Grundpflege und Alltagshilfe.
  • Seit dem 1. Juli 2024 rechnen Pflegefachpersonen Abklärung, Beratung, Koordination und Grundpflege ohne ärztliche Anordnung ab.
  • Live-in-Betreuung ist keine Pflege. Für Live-ins über einen Personalverleiher gelten seit dem 1. Dezember 2025 Sonderregeln im Arbeitsgesetz.

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Was heisst Pflege zuhause in der Schweiz?

Professionelle Pflege zuhause läuft in der Schweiz unter dem Begriff Spitex, kurz für spitalexterne Hilfe und Pflege. Die Spitex versorgt Menschen nach einem Spitalaufenthalt, bei chronischen Krankheiten oder im Alter in ihrer eigenen Wohnung. Die Arbeit reicht von Wundversorgung und Medikamentenabgabe über Körperpflege bis zur Haushaltshilfe.

Als Arbeitgeber kommen drei Gruppen infrage:

  • Organisationen mit Versorgungspflicht: meist gemeinnützige Vereine oder Gemeindebetriebe. Sie müssen alle Klient:innen in ihrem Gebiet versorgen, auch kurze und kurzfristige Einsätze. 2024 arbeiteten dort 44.046 Personen.
  • Private Spitex-Organisationen: Firmen ohne Versorgungspflicht, oft mit Schwerpunkten wie Psychiatrie, Kinderspitex, Palliative Care oder längeren Einsätzen.
  • Selbstständige Pflegefachpersonen: Sie arbeiten auf eigene Rechnung und brauchen dafür eine kantonale Bewilligung.

Daneben gibt es die Betreuung im Privathaushalt, oft als Live-in. Rechtlich ist das etwas anderes als Pflege. Mehr dazu weiter unten.

Spitex in Zahlen

Kennzahl20232024
Gepflegte und betreute Personen464.882476.413
Beschäftigte63.66168.707
Pflegestunden23.255.18025.637.002

Die Pflegestunden sind innert eines Jahres um rund 10 % gestiegen. Von 286.670 Personen, die Pflege erhielten, waren 111.558 mindestens 80 Jahre alt. Weil die Bevölkerung altert, wächst der Bedarf weiter. Mehr dazu im Beitrag Fachkräftemangel in der Pflege Schweiz.

Auffällig ist der hohe Teilzeitanteil: In den Organisationen mit Versorgungspflicht teilen sich 44.046 Personen 21.521 Vollzeitstellen. Das entspricht im Schnitt einem Pensum von rund 49 %.

Welche Jobs gibt es in der Pflege zuhause?

BerufTypische AufgabenHinweis
Dipl. Pflegefachperson HF/FHBedarfsabklärung, Behandlungspflege wie Wunden, Infusionen und Medikamente, Fallführung, Beratung von AngehörigenSchlüsselrolle, sehr gesucht
Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe) EFZGrundpflege, delegierte Behandlungspflege, Vitalzeichenarbeitet nach der Pflegeplanung der Fachperson
Pflegehelfer:in SRK, Assistent:in Gesundheit und Soziales EBAKörperpflege, Mobilisation, Begleitung im AlltagEinstieg ohne dreijährige Ausbildung möglich
Hauswirtschaft und BetreuungHaushalt, Einkaufen, Gesellschaft leistenkeine Pflegeausbildung nötig

Mit einem deutschen Abschluss als Pflegefachfrau, Pflegefachmann oder Gesundheits- und Krankenpfleger:in kannst du die Anerkennung beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) beantragen. Ob und mit welchen Auflagen dein Abschluss anerkannt wird, entscheidet das SRK im Einzelfall. Alle Schritte findest du im Beitrag Anerkennung deines Pflegediploms. Ohne Pflegeausbildung hilft dir der Beitrag Pflegehelfer ohne Ausbildung weiter.

Was verdienst du in der Pflege zuhause?

Gemeinnützige Spitex-Organisationen orientieren sich meist an kantonalen oder kommunalen Lohnsystemen. Private Anbieter legen ihre Löhne selbst fest. Diese Werte geben dir eine Orientierung:

FunktionLohn bruttoQuelle
Dipl. Pflegefachperson, Einstiegca. 6.600 CHF pro MonatBAG/BFS
Dipl. Pflegefachperson, Medianca. 7.400 CHF pro MonatBAG/BFS
Dipl. Pflegefachperson, 20+ Jahre Erfahrungca. 8.700 CHF pro MonatBAG/BFS
Pflegehelfer:in SRK3.984 bis 4.243 CHF pro MonatLohnauswertung medi-karriere
Betreuung im Privathaushalt mit EFZmind. 24.55 CHF pro StundeNAV Hauswirtschaft 2026

Die BAG-Werte sind Schätzungen für Vollzeit inklusive 13. Monatslohn und gelten für alle Arbeitsorte der Pflege, nicht nur für die Spitex. Was netto übrig bleibt, rechnest du mit unserem Brutto-Netto-Rechner aus. Einen Überblick über alle Pflegelöhne gibt der Beitrag Durchschnittslohn Pflege Schweiz.

Tipp

Frag im Vorstellungsgespräch, wie Wegzeiten zwischen den Einsätzen bezahlt werden und ob du ein Dienstfahrzeug bekommst. Diese Punkte machen im Spitex-Alltag oft mehr aus als ein paar Franken Grundlohn.

Selbstständig in der Pflege zuhause

Seit dem 1. Juli 2024 gilt die erste Etappe der Pflegeinitiative. Pflegefachpersonen können Abklärung, Beratung und Koordination sowie die Grundpflege direkt über die Krankenversicherung abrechnen, ohne ärztliche Anordnung. Die übrigen Leistungen, etwa die Behandlungspflege, laufen weiterhin über eine ärztliche Anordnung.

Wer selbstständig arbeiten will, braucht eine kantonale Berufsausübungsbewilligung und muss die Bedingungen für die Zulassung zur Krankenversicherung erfüllen. Dazu gehört praktische Berufserfahrung. Für den Start aus Deutschland ist deshalb eine Anstellung bei einer Spitex meist der realistische erste Schritt.

Live-in und 24-Stunden-Betreuung: was gilt?

Bei der Live-in-Betreuung wohnt die Betreuungsperson im Haushalt der betreuten Person. Sie hilft im Alltag und im Haushalt. Pflegeleistungen, auch die Grundpflege, setzen eine passende Qualifikation und eine kantonale Bewilligung voraus. Rechtlich kommt es darauf an, wer dich anstellt:

  • Anstellung direkt beim Haushalt: Das Arbeitsgesetz gilt in Privathaushalten nicht. Es gelten der NAV Hauswirtschaft des Bundes mit Mindestlöhnen von 20.35 bis 24.55 CHF pro Stunde (ab 2026) und der kantonale NAV Privathaushalt. Zug hat seinen NAV per 1. September 2025 überarbeitet und regelt etwa Präsenzzeit, Pausen und Zeiterfassung.
  • Anstellung bei einem Personalverleiher: Hier gilt das Arbeitsgesetz, so das Bundesgericht (BGE 148 II 203). Seit dem 1. Dezember 2025 gelten Sonderbestimmungen in der ArGV 2 (Art. 17a bis 17e). Arbeitszeiten und Einsätze müssen dokumentiert und von allen Beteiligten visiert werden. Der Bundesrat hält fest, dass eine Einzelperson keine 24-Stunden-Betreuung leisten kann.

Mehr dazu in den Beiträgen 24h-Pflege Schweiz und Betreuung im Privathaushalt.

Vorteile und Herausforderungen

Das spricht dafürDarauf solltest du vorbereitet sein
Eins-zu-eins-Kontakt statt Zeitdruck auf der StationDu entscheidest vor Ort oft allein
Viel Eigenverantwortung und AbwechslungFahrten bei jedem Wetter, oft mit Führerschein
Teilzeit ist weit verbreitetMorgen- und Abendspitzen, teils geteilte Dienste
Je nach Organisation wenig oder keine NachtdiensteKlient:innen sprechen oft Dialekt
Gut zu wissen

Viele Spitex-Stellen setzen einen Führerschein voraus. Wie du deinen deutschen Führerschein umschreibst, steht im Beitrag Schweizer Führerschein. Tipps zum Dialekt findest du unter Welche Sprache spricht man in der Schweiz.

Dein Einstieg aus Deutschland

  1. Anerkennung beantragen: Reiche dein Diplom beim SRK ein. Starte früh, das Verfahren braucht Zeit.
  2. Region wählen: Stadt oder Land, Wohnsitz in der Schweiz oder als Grenzgänger in Deutschland.
  3. Bewerben: Passe deine Unterlagen an Schweizer Standards an. Hilfe gibt der Beitrag Motivationsschreiben Pflege.
  4. Bewilligung: Mit Arbeitsvertrag erhältst du als EU-Bürger:in die Aufenthalts- oder Grenzgängerbewilligung. Alles dazu unter Arbeiten in der Schweiz.

Häufige Fragen

Was ist die Spitex?

Spitex steht für spitalexterne Hilfe und Pflege. Gemeinnützige und private Organisationen pflegen und betreuen Menschen in ihrer eigenen Wohnung. 2024 waren es laut BFS 476.413 Personen.

Kann ich als deutsche Pflegefachkraft bei der Spitex arbeiten?

Ja. Mit einem vom SRK anerkannten Pflegediplom arbeitest du als dipl. Pflegefachperson. Ohne Anerkennung sind Einsätze in der Grundpflege oder Betreuung möglich, je nach Arbeitgeber.

Was verdient man in der Pflege zuhause in der Schweiz?

Als Orientierung nennt das BAG für dipl. Pflegefachpersonen rund 6.600 CHF zum Einstieg und rund 7.400 CHF im Median pro Monat bei Vollzeit. Der genaue Lohn hängt von Kanton, Arbeitgeber und Erfahrung ab.

Darf eine Live-in-Betreuerin pflegen?

Pflegeleistungen, auch die Grundpflege, setzen eine passende Qualifikation und eine kantonale Bewilligung voraus. Reine Betreuung und Haushaltshilfe fallen unter den NAV Hauswirtschaft.

Kann ich in der Spitex Teilzeit arbeiten?

Ja, Teilzeit ist dort die Regel. In den Organisationen mit Versorgungspflicht liegt das durchschnittliche Pensum bei rund 49 %.

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Quellen: Spitex Schweiz: Zahlen und Fakten, Spitex-Statistik 2024 (BFS), BAG: Direkte Abrechnung der Pflegeleistungen, Bundesrat: Sonderregeln für Live-in-Betreuende (29.10.2025), Kanton Zürich: Informationen zum NAV Hauswirtschaft 2026, Kanton Zug: Revidierter NAV Privathaushalt, BAG: Löhne Pflegefachpersonen, medi-karriere: Lohn Pflegehelfer:in SRK. Stand: Oktober 2026.

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