Wegzugssteuer beim Umzug in die Schweiz: Wer zahlen muss und was 2026 gilt

Wegzugssteuer: Mann trägt einen Umzugskarton zum Transporter

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Viele Fachkräfte fragen sich vor dem Umzug in die Schweiz, ob Deutschland eine Wegzugssteuer verlangt. Die kurze Antwort: In den meisten Fällen nicht. Die Wegzugssteuer nach § 6 Aussensteuergesetz (AStG) trifft nur, wer mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft hält, etwa an einer GmbH. Hier erfährst du, wann sie greift, wie gerechnet und gezahlt wird, was für die Schweiz besonders gilt und welche anderen Steuerregeln beim Umzug wichtiger sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wegzugssteuer betrifft nur Anteile an Kapitalgesellschaften im Sinne von § 17 EStG, also Beteiligungen ab 1 %. Normales Gehalt, Erspartes und kleine Aktienpakete sind nicht betroffen.
  • Voraussetzung ist, dass du in den letzten 12 Jahren mindestens 7 Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig warst.
  • Seit 2022 kannst du die Steuer auf Antrag in 7 gleichen Jahresraten zahlen, in der Regel gegen Sicherheitsleistung.
  • Kehrst du innerhalb von 7 Jahren zurück, entfällt der Steueranspruch unter Bedingungen. Die Frist lässt sich um höchstens 5 Jahre verlängern.
  • Für Wegzüge in die Schweiz bis Ende 2021 entschied der BFH: Die Steuer ist dauerhaft und zinslos zu stunden. Ob das auch nach neuem Recht gilt, ist umstritten.

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Was ist die Wegzugssteuer?

Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt und damit in Deutschland nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig ist, wird so behandelt, als hätte er seine Firmenanteile zum aktuellen Wert verkauft. Der Gewinn, der dabei rechnerisch entsteht, wird besteuert, obwohl kein Geld geflossen ist. Deshalb spricht man von einem fiktiven Veräusserungsgewinn.

Die Regel steht in § 6 AStG. Sie greift nur für Anteile im Sinne von § 17 EStG, also wenn du in den letzten fünf Jahren zu mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft beteiligt warst.

Betrifft dich das als Fachkraft?

Deine SituationWegzugssteuer?
Angestellt, Gehalt, Sparkonto, Tagesgeldnein
ETF-Sparplan oder Aktien von grossen Unternehmen unter 1 % Beteiligungin der Regel nein
Anteil von mindestens 1 % an einer GmbH oder AG, zum Beispiel am eigenen Betriebja, wenn die 7-Jahres-Voraussetzung erfüllt ist
Eigene Immobilie in Deutschlandnein, keine Wegzugssteuer; Mieteinnahmen bleiben aber in Deutschland steuerpflichtig

Hast du ein sehr grosses Fondsdepot oder bist du an einer Firma beteiligt, lass dich vor dem Umzug steuerlich beraten.

So wird gerechnet

Besteuert wird der Unterschied zwischen dem aktuellen Wert der Anteile und deinen Anschaffungskosten. Ein vereinfachtes Beispiel: Du hast für deinen GmbH-Anteil 25.000 € bezahlt, heute ist er 225.000 € wert. Der fiktive Gewinn beträgt 200.000 €. Bei Privatanteilen nach § 17 EStG sind davon nach dem Teileinkünfteverfahren 60 % steuerpflichtig, hier also 120.000 €. Darauf fällt dein persönlicher Einkommensteuersatz an.

Zahlung, Raten und Rückkehr

RegelWas gilt (§ 6 AStG)
Ratenzahlungauf Antrag in 7 gleichen Jahresraten, die erste Rate einen Monat nach dem Bescheid
Sicherheitwird in der Regel verlangt
Zinsendie Raten sind zinslos; bei Verkauf oder Übertragung der Anteile wird der Rest sofort fällig
Rückkehrwirst du innerhalb von 7 Jahren wieder unbeschränkt steuerpflichtig, entfällt der Anspruch unter Bedingungen; Verlängerung um höchstens 5 Jahre möglich

Sonderfall Schweiz: das Freizügigkeitsabkommen

Bis Ende 2021 durften Wegzügler in EU- und EWR-Staaten die Steuer dauerhaft und zinslos stunden. Für die Schweiz galt das nach dem Gesetzeswortlaut nicht. Der Bundesfinanzhof entschied am 6. September 2023 (I R 35/20): Wegen des Freizügigkeitsabkommens zwischen der EU und der Schweiz muss die Steuer auch bei einem Umzug in die Schweiz dauerhaft und zinslos gestundet werden. Das betrifft Wegzüge bis zum 31. Dezember 2021.

Seit 1. Januar 2022 sieht § 6 AStG nur noch die Ratenzahlung vor, für alle Zielländer. Steuerfachleute halten auch diese Fassung für unvereinbar mit dem Freizügigkeitsabkommen und erwarten weitere Gerichtsverfahren. Wenn du betroffen bist, lohnt sich ein Einspruch mit Verweis auf das BFH-Urteil. Besprich das mit einer Steuerberatung.

Diese Steuerregeln sind für dich meist wichtiger

  • Wohnung in Deutschland behalten: Hast du in Deutschland weiter eine ständige Wohnstätte oder hältst du dich mindestens 6 Monate im Jahr dort auf, kann Deutschland dich nach Art. 4 Abs. 3 DBA weiter besteuern (überdachende Besteuerung). Dein Schweizer Lohn bleibt dann zwar in Deutschland steuerfrei, wirkt aber auf den Steuersatz.
  • Deutsche Einkünfte nach dem Umzug: Nach Art. 4 Abs. 4 DBA darf Deutschland Einkünfte aus deutschen Quellen bis Ende des fünften Jahres nach dem Wegzug besteuern. Das gilt nicht, wenn du wegen einer echten Anstellung bei einem unabhängigen Schweizer Arbeitgeber umziehst, also im typischen Fall einer angestellten Fachkraft.
  • Steuern in der Schweiz: Als Neuzuzüger:in zahlst du meist Quellensteuer. Alles dazu unter Quellensteuer Schweiz und Steuern in der Schweiz.
  • Grenzgänger: Wer in Deutschland wohnen bleibt, zieht nicht weg. Dann gilt die Grenzgängerregel mit höchstens 4,5 % Schweizer Quellensteuer. Mehr unter Schweiz arbeiten, Deutschland wohnen.
Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag erklärt die Grundregeln. Bei Firmenbeteiligungen, grossen Depots oder Immobilien solltest du vor dem Umzug eine Steuerberatung einholen. Der Zeitpunkt des Wegzugs kann viel Geld ausmachen.

Und wenn du die Schweiz später wieder verlässt?

Die Schweiz kennt für Privatpersonen keine Wegzugssteuer auf Aktien oder Firmenanteile. Wichtig ist beim Wegzug aber deine Pensionskasse: Ziehst du in einen EU-Staat und bist dort obligatorisch versichert, kannst du den obligatorischen Teil nicht bar beziehen. Er bleibt auf einem Freizügigkeitskonto. Den überobligatorischen Teil kannst du bar beziehen. Mehr dazu im Beitrag Rentenalter Schweiz. Die Doppelbesteuerung zwischen beiden Ländern erklärt der Beitrag DBA Schweiz.

Häufige Fragen

Muss ich beim Umzug in die Schweiz Wegzugssteuer zahlen?

In der Regel nicht. Die Wegzugssteuer betrifft nur Beteiligungen von mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft. Gehalt, Ersparnisse und kleine Aktienpakete sind nicht betroffen.

Wann greift die Wegzugssteuer?

Wenn du deinen Wohnsitz ins Ausland verlegst, in den letzten 12 Jahren mindestens 7 Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig warst und Anteile im Sinne von § 17 EStG hältst.

Kann ich die Wegzugssteuer in Raten zahlen?

Ja. Seit 2022 kannst du sie auf Antrag in sieben gleichen Jahresraten zahlen, in der Regel gegen Sicherheitsleistung. Die Raten sind zinslos.

Gilt für die Schweiz eine dauerhafte Stundung?

Für Wegzüge bis Ende 2021 ja, so der BFH im Urteil I R 35/20 vom 6. September 2023. Für spätere Wegzüge sieht das Gesetz nur Raten vor. Ob das mit dem Freizügigkeitsabkommen vereinbar ist, ist umstritten.

Was passiert, wenn ich zurück nach Deutschland ziehe?

Wirst du innerhalb von sieben Jahren wieder unbeschränkt steuerpflichtig, entfällt der Steueranspruch unter bestimmten Bedingungen. Das Finanzamt kann die Frist um höchstens fünf Jahre verlängern.

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Quellen: § 6 AStG, § 17 EStG, Forvis Mazars: Wegzugsbesteuerung und BFH I R 35/20, ECOVIS: Wegzugsbesteuerung EU und Schweiz, PRIVATE: Spezialregelungen DBA Deutschland-Schweiz, Merkblatt Barauszahlung PK bei Wegzug in die EU. Stand: Oktober 2026.

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